Die Voigt-Orgel


erbaut 1890 von Karl-Heinrich Voigt, Biebrich

Disposition
Originalzustand 1890

I. Manual:
Untersatz 16′
Prinzipal 8′
Holzflöte 8′
Gambe 8′
Prinzipal 4′
Cornett-Mixtur 2-3f.

II. Manual:
Gedackt 8′
Traversflöte 4′
Salicional 8′
Aeoline 8′

Pedal:
Subbass 16′
Violon 8′

mechanische Kegellade
Koppeln II / I
I / Pedal
Suboktavkoppel II / I
Expression – heute: Tremulant

Der Orgelbauer Heinrich Voigt

geboren am 4. Oktober 1845 in Igstadt
1860-1864 Lehre bei Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Voigt in Eisleben
1868 Tod des Vaters Christian Friedrich Voigt
Die Werkstatt wird von den Söhnen Karl-Heinrich, Konrad Christian Wilhelm und Georg Wilhelm Karl weitergeführt
1880 Tod des Bruders Konrad
1888 Konkurs der Werkstatt
1889-1893 Arbeit in Straßburg als Orgelbauer bei Roethinger
1895 Einrichtung einer neuen Werkstatt in Biebrich
1900 Sohn Heinrich Wilhelm übernimmt die Werkstatt
gestorben am 10. Juni 1906

Baugeschichte

Die Orgel der Ev. Kirche Wehen wurde 1890 für die altkatholische Gemeinde Wiesbaden gebaut und 1899 von der Kirchengemeinde Wehen erworben. 1952 wurde sie durch den Orgelbauer Katzer aus Bleidenstadt umdisponiert. 1971 drohte gar der Abriss und der Neubau eines – nach heutigen Gesichtspunkten – äußerst unbefriedigenden Instrumentes. Im August 1999 wurde mit der Rückführung der Orgel in ihren Originalzustand begonnen. Die wichtigsten Arbeiten an der Orgel habe ich mit Hilfe der Unterlagen aus dem Pfarrarchiv auszugsweise dokumentiert :

18. Januar 1899 Beschluß zum Ankauf der Orgel der Altkatholischen Gemeinde
Zu der heutigen Sitzung des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung, zu [ ] ordnungsgemäß geladen[ ], waren von 25 Mitgliedern 18 erschienen. Auch war auf Einladung H. Orgelbauer Voigt von Biebrich anwesend. [ ] Übernahme der früher im [ ] der altkatholischen Gemeinde zu Wiesbaden [ ] 9 Jahre lang gebrauchten Orgel. H. Voigt liefert die neue Orgel fix und fertig an Ort und Stelle für [ ] von 2800 M. Er übernimmt die alte Orgel für 100 M, füllt die Emporenbrüstung an Stelle der alten Orgel auf.( ) übernimmt eine 10-jährige Garantie, er stimmt drei Jahre lang die Orgel einmal im Jahr

10. Mai 1899 Kaufvertrag mit Heinrich Voigt unterzeichnet

Rechnung von Adolf Wald, Organist der Marktkirche Wiesbaden zur Abnahme der Orgel

8. November 1924
Stimmung und Reparatur durch Carl Horn, Limburg.
Reparatur der Balganlage, Anbringen eines Manometers. Rechnung über RM 60.-

8. Juli 1925 Ersatz der im 1. Weltkrieg abgegebenen Prospektpfeifen
Kostenvorschlag von Orgelbauer Carl Horn aus Limburg zum Einbau neuer Prospektpfeifen aus Zinkblech über 397 M

25. September 1925 Ankunft der Prospektpfeifen der Fa. Laukhuff/Weikersheim am Bahnhof Hahn/Wehen

30. September 1925 Abschlußrechnung durch Carl Horn

9. Januar 1928 Stimmung und Reparatur durch Carl Horn, Limburg, RM 24.-

1929-1941 jährliche Orgelstimmung durch die Firma August Hardt & Sohn

1935 Reparatur des Balges durch Sattler Sprenger, 13,15 RM

1941 „Ansammlung von Mitteln“ (100 M) zur Instandsetzung der Orgel

2. November 1946 Reinigung, Neuintonation und Stimmung der Orgel durch Orgelbauer Katzer aus Bleidenstadt. Kosten: 160 Rmk.

Dezember 1951 Reparatur der Mechanik durch Katzer, DM 47.-
Intonation und Stimmung, Reparatur des Schöpfwerkes. Bestellung eines elektr. Gebläses (Ventus) für DM 484.-. Geplanter Umbau auf Ostern 1952 terminiert. Die künftige Disposition soll mit Kantor Brendel besprochen werden.

21. Mai 1952 „Einbau eines elektr. Gebläses und Umbau der Orgel
Die Streicherstimmen Gambe 8′ , Salicional 8′ und Aeoline 8′ wurden entfernt, aus Pfeifen der Cornett -Mixtur und sonstigen Altpfeifen wurden die Register Prinzipal 2 , Sifflöte1′ und Hohlflöte 2′ zusammengestellt. Eine neue neobarocke Mixtur wurde eingebaut. Kosten : 1714,20 DM

25. Oktober 1953 „Instandsetzung der Orgel in der neurenovierten Pfarrkirche“
Abbau der gesamten Frontpfeifen von Prinzipal 8‘ und Oktave 4‘.Einbau derselben, Reinigung des gesamten Orgelinneren, Neuintonation und Stimmung von 12 klingenden Stimmen sowie Instandsetzung des Tremoloapparates. Kosten: 96.- DM

7. Oktober 1959 Reparatur einer Registerabstrakte, Nachregulierung der Koppeln und der Manualtasten durch OBM Hans Dentler, Siegen. Kosten: 54,64 DM

1965-1967 Stimmung und Wartung durch A. Hardt, Möttau

25. September 1971 Angebot der Firma Ratzmann/Gelnhausen

Empfehlung zum Neubau einer Orgel (16 Register, 63000.-)Anfrage an die Kirchenverwaltung, ob zur Finanzierung einer Neubaues gemeindeeigene Grundstücke verkauft werden dürfen. Diese Anfrage wird am 6.3.1972 abschlägig beschieden

24.April 1975
Reparatur der Orgel durch die Firma Ratzmann. Vorschlag, verschiedene Register (Prinzipalbaß 8‘, Hohlflöte 2‘ und Flöte 4)‘ durch neue Register zu ersetzen.

15. Januar 1976 Stimm- und Pflegevertrag abgeschlossen mit Firma Alexander Baron, Stockstadt/Main

Juli 1978 Nach der Renovierung der Kirche wurde die Orgel wieder aufgestellt. Es stellt sich heraus, daß die Orgel „repariert werden muß, wenn sie nicht ganz verloren gehen soll“.Die Arbeiten werden von der Firma Kriess in Molsheim für DM 10814.- ausgeführt

8. Oktober 1981
Abschluß eines Wartungsvertrag mit der Firma Förster & Nikolaus/Lich.

1982 Nach Kirchenbrand Instandsetzung und Überholung der Mechanik durch Förster & Nikolaus

2. August 1999 Beginn der Restaurierungsarbeiten durch Orgelbauer Hardt in Möttau. Ausreinigung des Orgelinneren, Neuregulierung der Mechanik, Rekonstruktion der ursprünglichen Disposition. Einbau der Register Gambe 8′, Salicional 8′ und Aeoline8′ unter Verwendung von Pfeifenmaterial von Heinrich Voigt und Gustav Rassmann.

24. Oktober 1999, 18 Uhr: Einweihung der restaurierten Orgel mit einem Orgelkonzert von Christoph Schoener (Hamburg)

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